Neutralität ist ein Luxus derer, die nicht betroffen sind. Über Sexarbeit, Migration und Armut literarisch „neutral“ zu schreiben hieße, die Gewaltverhältnisse zu verschleiern, in denen diese Leben stattfinden. Mein Buch verweigert diese Neutralität, weil sie selbst eine politische Haltung ist: die der Distanz, der Beobachtung von oben, der scheinbaren Objektivität, die Macht reproduziert, statt sie offenzulegen.
Sexarbeit, Migration und Armut sind keine abstrakten Themen, sondern Zustände, die sich in Körper einschreiben. Wer darüber schreibt, schreibt über Abhängigkeit, über Begehren, über Scham, über Geld und Angst. Eine neutrale Sprache würde diese Körper entleeren, sie verwalten statt erzählen. Literatur aber beginnt dort, wo Verwaltung aufhört.
Mein Buch positioniert sich bewusst: Es schaut nicht weg, es glättet nicht, es erklärt nicht für ein bequemes Publikum. Es schreibt aus Nähe, aus Reibung, aus Unruhe. Nicht, um zu moralisieren, sondern um sichtbar zu machen, dass jede Erzählung über diese Themen immer schon Partei ergreift – für oder gegen das Verstummen.