Wem gehört der Körper, wenn Geld fehlt?

Armut verschiebt Besitzverhältnisse. Nicht nur von Wohnungen, Pässen oder Zeit, sondern vom Körper selbst. Wenn Geld fehlt, wird der Körper verhandelbar: als Arbeitskraft, als Ware, als Grenze, die überschritten werden darf. Die Frage, wem der Körper gehört, ist dann keine philosophische, sondern eine ökonomische.

In meinem Buch ist der Körper nie autonom gedacht. Er steht unter Verträgen, Blicken, Gesetzen, Erwartungen. Wer arm ist, kann seinen Körper selten einfach behalten; er wird gebraucht, geprüft, benutzt. Besonders dort, wo Sexarbeit und Migration zusammentreffen, wird der Körper zur einzigen Ressource, die nicht entzogen werden kann – und gerade deshalb ständig bedroht ist.

Literatur kann diese Enteignung nicht neutral beschreiben. Sie muss zeigen, wie sich Macht im Fleisch ablegt: in Müdigkeit, in Anpassung, in kleinen Grenzverschiebungen, die als Entscheidung verkauft werden. Wenn Geld fehlt, gehört der Körper allen ein bisschen – und sich selbst am wenigsten.